Ich bin Physiker, Vater zweier erwachsener Söhne, und Mitarbeiter in einem großen Softwarehaus.

Seit über zehn Jahren besuche ich Workshops und Trainings bei Art-of-Being und anderen Schulen. In dieser Zeit habe ich meine Spiritualität wieder entdeckt, die sich aus Meditation, Tantra, und meinem naturwissenschaftlichen Weltbild zusammensetzt.

Ich organisiere Schwitzhütten und lege gern intuitiv Musik auf zum Tanzen, für Trance, und zur Unterstützung von Gruppenprozessen.

Kontakt: This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

Empathie

im Herbst 2015, in den Wochen in denen ich 53 wurde, habe ich in der Gemeinschaft von Tamera in Portugal an dem Workshop „Liebe, Sex und Partnerschaft“ teilgenommen. Wir waren ein Kreis von etwa 70 Frauen und Männern zwischen 18 und 70 Jahren, etwa 60 % Frauen und 40 % Männer. An einem der ersten Tage des Workshops hielt einer der Männer von Tamera uns einen Vortrag, von dem bei mir ankam, dass es in der Geschichte und bis heute immer wieder die Männer waren, die den Frauen schweres Leid zugefügt haben, und die Macht hatten. Vielleicht hat er das so gar nicht gesagt, aber so kam es bei mir an. Ich habe dann im Anschluss etwas getan, was ich in keinem anderen Kreis gewagt hätte: ich bin aufgestanden und habe gesagt, dass ich in meinem Leben nie die Hand gegen eine Frau erhoben hätte, und dass ich zwei Übergriffe und eine sexuelle Nötigung durch Frauen erlebt hätte.

Dass in Deutschland, in dem ich lebe, die Regierungschefin eine Frau sei und die beiden größten Verlage in der Hand von Frauen seien. Und dass ich die Zuweisung der Täterrolle auf mich als Mann, bloß weil ich ein Mann sei, zurückweisen würde. Dabei spürte ich, wie sehr ich vor Anspannung zitterte.

In den Tagen darauf gab es Frauen und Männer, die mich ignorierten, es gab Frauen, die zu mir kamen und ihren Respekt dafür ausdrückten, dass ich gewagt hätte, das auszusprechen, und es gab eine junge Frau, die sich im Forumskreis aller vor mir auf den Boden warf, mit den Fäusten trommelte, und mich anschrie, wie ich es denn wagen könne, angesichts des großen Leids der Frauen an deren Opferrolle und an der Täterrolle der Männer zu zweifeln. Ich habe nicht reagiert, aber aufmerksam beobachtet, während sich eine große Stille in mir breitmachte. Ich konnte mein eigenes Leid und meine eigene Trauer spüren, und auch das Leid und die Trauer der Frauen. Am dritten Tag bin ich wieder in den Kreis gegangen, und habe gesagt, dass ich damit aufhören wolle, Leidens-Poker zu spielen, ein Spiel, in dem es lediglich darum gehe, wer mehr gelitten hat als der andere, und indem wir uns unser Leiden gegenseitig um die Ohren hauten. Und ich sagte, dass ich glaube, dass wir aus diesem Teufelskreis nur mit Empathie für den anderen herauskommen könnten. Mit dem ehrlichen Bemühen, das Leid und die Verletzung des anderen einfach wahrzunehmen und anzuerkennen, und zwar ganz unabhängig von der Schuldfrage.

Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Männer und Frauen verändert, und ist der wesentliche Grund, warum ich das Thema Empathie in das Maifeuer-Seminar einbringen will.